Berater müssen mehr als nur Verhandeln

RevierSport, Hassan's Corner

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Marcus Noack, Geschäftsführer der Spielerberatungsagentur Noack Sports, spricht im Exklusiv-Interview mit RevierSport darüber, wie er zu Christoph Moritz und Lewis Holtby kam.


Marcus Noack, wie sollte sich ein Außenstehender den Job als Spielerberater vorstellen? 
Der Job ist sehr vielschichtig, du machst also nicht jeden Tag das Gleiche. Es gibt Tage, da bist du non Stop unterwegs, schaust dir Spiele an, triffst dich mit Spielern, Vereinsverantwortlichen, Kollegen, Partnern, etc., und wiederum gibt es welche, an denen du nur Büroarbeit machst. Letztendlich geht es in unserem Job aber in erster Linie darum, den Spielern, die man betreut, ein perfektes Umfeld zu bieten, in denen sie sich bestmöglich entwickeln können. Wir versuchen ihnen den Rücken frei zu halten, ohne sie zu verhätscheln. 

Ihre Berateragentur betreut auch Schalkes Lewis Holtby. Wann wurde sie gegründet? 
Unsere Sportagentur wurde im Jahre 2004 von meinem Bruder Thomas gegründet, damals noch mit etwas anderem Fokus. Wir leiteten parallel mit zwei weiteren Partnern auch noch eine eigene Marketingagentur in Düsseldorf. Dass wir zwei Jahre später auch Fußballspieler betreuen sollten, war da noch nicht abzusehen.

Wie kam es denn zum Einstieg in die Beraterbranche? 
Es fing damit an, dass mein Bruder damals beim Trainingslager der U17-Fußballer von Alemannia Aachen im Trainingslager als Torwarttrainer ausgeholfen hat. Dort hat er Lewis (Lewis Holtby, Anm. der Red.) zum ersten Mal gesehen und war begeistert von ihm. 

Hat er Ihnen auf Anhieb gefallen? 
Ja, Thomas hat geschwärmt als er damals aus dem Trainingslager zurück kam. Das war zu der Zeit, als Lewis von Borussia Mönchengladbach wegging, weil er zu wenig Einsätze bekam. Obwohl er von vielen damals als zu klein und schmächtig abgstempelt wurde, haben wir sein Potenzial gesehen und an ihn geglaubt. Lewis musste sich über den Umweg mit Alemannia Aachen durchboxen. Seitdem begleiten und unterstützen wir ihn. Seine bis heute andauernde positive Entwicklung zeigt uns, dass er einen großen Willen hat.

Wie ging es dann weiter? 
Von der ersten Begegnung an hat Thomas bei vielen Jugendspielen von Lewis vorbeigeschaut und mit der Zeit entwickelte sich eine Freundschaft. Als dann irgendwann die ersten Scouts und Berater auf Lewis aufmerksam wurden, haben beide beschlossen, den Weg gemeinsam zu gehen. Thomas hat daraufhin dann seine Beraterlizenz gemacht. 

Sie begleiten Lewis bereits seit mehr als sieben Jahren, allerdings seit kurzem alleine. Ihr Bruder Thomas Noack ist leider verstorben. Wie geht es mit „Noack Sports“ weiter? 
Ich habe die Agentur sehr lange Zeit zusammen mit meinem Bruder geführt und sein überraschender Tod hat eine große Lücke hinterlassen. Diese werde ich versuchen zu schliessen, um unser Unternehmen auch in seinem Sinne weiterzuführen. Personell hat sich da in den letzten Wochen auch schon etwas getan. Mit Helmut Birk habe ich vor kurzem einen Scout gewinnen können, der zu unserer Philosophie passt und der über viel Erfahrung und gute Kontakte verfügt. In der nächsten Wochen wird sich personell noch Weiteres tun. 

Kommen wir zu Lewis zurück. Ein hochtalentierter Spieler wie er wird doch sicherlich auch von anderen Beratern der Branche beobachtet? Weckt das auch gewisse Begehrlichkeiten? 
Erstmal ist es grundlegend wichtig, dass ein vertrauensvolles Verhältnis besteht - das war zwischen Lewis und uns immer der Fall und ist es auch heute noch. Natürlich gab es auch andere Berater, die bei ihm angefragt haben. Lewis weiß allerdings, was er an uns hat und wir an ihm. Von daher waren solche Abwerbungsversuche natürlich ohne Erfolg.

Gerade bei jungen Spielern oder ambitionierten Eltern ist der Wunsch groß, schnell Karriere zu machen. Das öffnet schwarzen Schafen in ihrer Branche Tor und Tür. Wonach arbeiten Sie? 
Die Liste der Spieler, die wir betreuen, ist überschaubar und wird es auch in Zukunft bleiben. Wir setzen nicht auf Masse, sondern wollen für alle unsere Spieler Zeit haben, um uns um sie zu kümmern. Gerade bei jungen Spielern kann man noch viel Einfluss nehmen und helfen, sie persönlich und sportlich weiterzubringen. Die Grundlage von allem ist beiderseitiges Vertrauen. Das kann sich natürlich erst mit der Zeit entwickeln. 

Sie betreuen allerdings nicht nur Lewis Holtby, sondern auch noch einige andere Spieler. Christoph Moritz gehört auch dazu. Wie kam der Kontakt zustande? 
Christoph spielte damals gemeinsam mit Lewis in der A Jugend. Dort sind wir aufgrund seiner Qualität und seiner Fähigkeiten schnell auf ihn aufmerksam geworden. Dadurch, dass Lewis und Chris damals schon befreundet waren, kam der Kontakt relativ schnell zustande. Nach nur wenigen Spielen und einigen Gesprächen hatten wir ein Bild von ihm, das uns vollends überzeugt hat. Seitdem betreuen wir auch ihn. 

Wie sehen Sie die weitere Entwicklung von Christoph Moritz? 
Christoph hat bereits in seinem jungen Alter sowohl die Sonnenseite des Fußballs kennengelernt, als er 2009 eine Woche vor Saisonstart vom Schalker Regionalligateam zu den Profis beordert wurde und zum Saisonstart in Nürnberg in der Startelf stand, als auch die Schattenseite, als er fast zehn Monate an einer Knieverletzung laborierte. Doch nach seiner Leidenszeit ist er seit Ende des letzten Jahres sehr gut zurückgekommen und präsentiert sich mittlerweile wieder in einer außerordentlich guten Verfassung. Es gilt jetzt für ihn, den nächsten Schritt zu machen und sich auf Schalke durchzusetzen. Das traue ich ihm absolut zu.  

Sind Sie also auch Motivator und nehmen einen bestimmten Einfluss? 
In der Öffentlichkeit nimmt man Spielerberater nur wahr, wenn es um Transfers oder Vertragsverlängerungen geht. Wir sind sehr nah an unseren Spielern dran und tauchen nicht nur dann auf, wenn es um neue Verträge geht. Im Gegenteil, wir arbeiten das ganze Jahr über sehr eng und intensiv mit unseren Jungs zusammen. Zuletzt haben wir uns nach Lewis‘ und Christophs Urlaub für ein Kurzzeittrainingslager an der holländischen Nordsee entschieden. Dort haben wir gemeinsam Ausdauer und Intervalleinheiten absolviert, die vom Verein vorgegeben waren. Dazu kamen dann noch Technik und Kräftigungseinheiten sowie jede Menge Funsport. Beide haben sich in einer hervorragenden Verfassung für die bevorstehende Saisonvorbereitung präsentiert. 

Also ist ein besonderes Verhältnis wegweisend… 
In meinen Augen schon. Wenn man sich in einem engen, vertrauensvollen Austausch befindet, ist die Möglichkeit des Einwirkens und der Hilfestellung für den Spieler am wirkungsvollsten. Nebenbei kommt moch hinzu, dass es auch die Art und Weise ist, wie ich arbeiten möchte. 

Wie sieht das konkret aus? Haben Sie da Experten an der Hand für Fachgebiete, die Sie vielleicht nicht selbst abdecken können? 
Ich kenne mich zwar in vielen Bereichen sehr gut aus, aber es ist dennoch unabdingbar, auf dem ein oder anderen Gebiet auf Experten zurückzugreifen. Dafür benötigt man natürlich ein gutes Netzwerk. So haben wir zum Beispiel mit Sharon Paschke einen sehr guten Mentaltrainer an Board, oder mit Christian Titz einen exzellenten Trainer, auf den wir zurückgreifen können. Er ist derzeit Chefcoach vom FC Homburg in der Regionalliga. Nach einer ausführlichen Analyse der jeweiligen Spieler trainiert er sie individuell und arbeitet mit ihnen an ihren Stärken und Schwächen. Gerade Lewis und Christoph haben diese Möglichkeit in der langen Sommerpause intensiv genutzt. 

Um noch mal auf Lewis und Christoph zurückzukommen: Die Fans des FC Schalke machen sich natürlich Gedanken über die beiden, da ihre Verträge im nächsten Jahr enden. Wie ist denn da der aktuelle Stand? Bleiben beide auf Schalke? 
Zunächst möchte ich betonen, dass sich beide Spieler sehr wohl auf Schalke fühlen und es kaum erwarten können, in die neue Spielzeit zu starten. Wir freuen uns sehr, dass der Verein sowohl mit Chris als auch mit Lewis langfristig weiter zusammenbeiten möchte. Es wird in den nächsten Wochen Gespräche mit den Verantwortlichen des Vereins geben, in denen es um die Zukunft der beiden gehen wird. Es ist für sie ein wichtiges, richtungsweisendes Jahr und die nächsten Schritte müssen gut überlegt sein. Wir sind gesprächsbereit, werden aber nichts überstürzen. 

Hassan Talib Haji

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